Die Internet Movie Database zählt in
ihrem "Sound-Mix-Index" ganze 59 Systeme und Standards für Filmton, von
denen viele, obwohl sie durch einzelne Filme sehr bekannt geworden sind,
heute nicht mehr eingesetzt werden (z.B. Sensurround oder CDS - Cinema
Digital Sound). Zur Kategorisierung der wichtigsten Verfahren seit der
Einführung der Stereophonie im Film ist es sinnvoll, drei größere Gruppen
zu bilden:
Analogton (Stereo, 70mm Magnetton, Dolby A oder Dolby Stereo, Dolby
Surround, Dolby SR, Ultra Stereo und DTS-Stereo - alles zu Dolby Stereo
kompatible Matrix-Systeme); Digitalton (Dolby Digital, DTS, SDDS) und den
Qualitätsstandard THX.
Die Beschreibung beispielsweise der Dolby Laboratories-Systeme wird
durch den ständigen Namenswechsel identischer Verfahren erschwert: Dolby
Digital ist der aktuelle Name für ein Verfahren, das vorher Dolby AC-3,
(D)SR-D und zuletzt Dolby Stereo Digital hieß. Obwohl in den meisten Kinos
noch die älteren Analogton-Verfahren verwendet werden - und diese auch bei
einer historisch orientierten Beschreibung der Filmton-Technik von großer
Bedeutung sind -, ist es hier vor allem sinnvoll, die neueren Systeme mit
Digitalton sowie die THX-Norm zu erläutern, da diese seit etwa 1992 die
Referenz für die Produktion der Tonspur darstellen.
Dolby Digital (AC-3/SR-D)
Mit dem Film "Batmans Rückkehr" 1992
eingeführtes Soundsystem der Dolby Laboratories, das die digitale Tonspur
zwischen den Perforationslöchern des Filmstreifens unterbringt. Die für
die sechs diskreten 20-Bit-Kanäle (Front links/rechts, Center, Surround
links/rechts und Subwoofer/ Effekt) benötigte Datenmenge wird mittels
AC-3-Verfahren (Audio Coding der 3. Generation) verlustbehaftet
komprimiert. Als Fallback (Sicherheitskopie) beim Ausfall der Digitalspur
dient eine analoge Dolby SR-Spur. Front-, Surround- und Centerkanal bieten
einen Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz, der Subwoofer-Kanal von 20 bis
120 Hz und die Dynamik des Systems liegt bei über 90 dB.
Digital Theatre System (DTS)
Die Abkürzung DTS steht für das 1993 mit
"Jurassic Park" eingeführte Digital Theatre System sechs diskreten Kanälen
(Front links/rechts, Center Surround links/rechts und Subwoofer/ Effekt),
20 Bit Auflösung und verlustbehafteter Datenreduktion. Der Ton kommt bei
der Vorführung von bis zu drei separaten CDs, die mittels eines Timecodes
auf dem Film synchronisiert werden. Dies macht durch das Austauschen der
CDs den Wechsel zwischen verschiedenen Sprachversionen des Films möglich
und befähigt DTS, als einziges Digitalton-Verfahren auch zusammen mit 70
mm-Filmen eingesetzt zu werden. Das System hat eine Dynamik von etwa 96
dB, der Frequenzbereich liegt beim Front-, Surround- und Centerkanal bei
20 Hz bis 20 kHz und beim Subwoofer bei 20 Hz bis 80 Hz. Zur Sicherheit
ist als Fallback auch bei der DTS-Technik eine zusätzliche analoge Spur im
DTS-Stereo- bzw. SR-Format vorhanden. Mit DTS ist heute grundsätzlich DTS
Digital gemeint, nicht das ältere analoge DTS Stereo.
Sony Dynamic Digital Sound (SDDS)
Sony bietet mit dem Sony Dynamic Digital
Sound ein Digitalton-System mit ganzen acht diskreten Kanälen (vgl. Abb.
S. 28). Die Lautsprecher im Frontbereich werden noch durch einen
Halb-Links- und Halb-Rechts-Kanal (auch als Left- bzw. Right-Center
bezeichnet) ergänzt. Der 1993 mit "Last Action Hero" und "In the Line of
Fire" eingeführte SDDS-Ton hat eine Auflösung von 16 Bit und wird mit der
vom Sony MiniDisc-Player bekannten ATRAC-Technik (Audio Transform Acoustic
Coding) in seiner notwendigen Datenmenge reduziert.
Die Tonspur befindet sich am Rande des Filmstreifens außerhalb der
Perforationslöcher (vgl. Abb. links). Da die Audiodaten dort relativ
leicht beschädigt werden können, sind die Spuren noch von drei weiteren
Schichten bis zur Oberfläche bedeckt. Außerdem ist die rechte Tonspur ein
um 15 Frames versetztes Backup der linken und es existiert - wie bei Dolby
Digital und DTS - eine Analogspur als Fallback, falls der digitale Ton
doch einmal ausfallen sollte (vgl. Abb. links).
Der Frequenzbereich der sieben Kanäle für die Front-, Surround- und
Centerlautsprecher liegt bei 20 Hz bis 20 kHz, die Dynamik liegt, wie auch
bei Dolby Digital, bei über 90 dB.
Abschließend sei noch erwähnt, dass SDDS auch in Kinos, die mit weniger
als acht separaten Kanälen ausgestattet sind, eingesetzt werden kann - der
Decoder rechnet das Signal auf sechs, fünf oder vier Kanäle herunter.
THX
Die THX-Norm ist - im Gegensatz zu Dolby
Digital, DTS und SDDS - kein analoges oder digitales Tonsystem, sondern
ein Qualitätsstandard.
Seit dem Beginn der Arbeiten am "Star Wars"-Teil "Die Rückkehr der
Jedi-Ritter" (1982/83) entwickelte Tomlinson Holman (Lucasfilm) die
THX-Norm. Sie sollte garantieren, dass die Filmzuschauer (und -zuhörer) in
THX-zertifizierten Kinos den Film wirklich so erleben können, wie ihn
zuvor die Produzenten in ihren Studios sahen und hörten.
Die entsprechenden Qualitätsanforderungen beziehen sich auf die
optischen und akustischen Bedingungen des Kinosaales:
1.) große Leinwand, 2.) wenig Lichtreflexionen, 3.) ausreichende
Lichtleistung des Projektors, 4.) günstiger Blickwinkel des Zuschauers auf
die Leinwand, egal von welchem Platz, 5.) ausreichende Leistung des
Audioverstärkers, 6.) THX-zertifizierte Boxen und Geräte, 7.) lautlose
Klimaanlage, 8.) lautloser Filmprojektor, 9.) keine Geräusche von außen
(z.B. vom lauten Film im Saal nebenan), 10.) für die ganze Breite der
übertragenen Frequenzen gleichmäßiger Frequenzgang, 11.) keine
Verzerrungen bei extremer Dynamik, 12.) optimale Positionierung der
Lautsprecher, 13.) optimale Bauakustik, 14.) optimale Ausstattung mit
schalldämpfendem Material, 15.) jährliche Überprüfung des Kinosaales und
seiner Geräte durch einen THX-Mitarbeiter mit Einmess-Prozedur der
Audio-Komponenten.
Sind alle Anforderungen erfüllt, bekommt der Kinobetreiber gegen eine
jährliche Gebühr das THX-Zertifikat, einen Trailer zur Vorführung und
Promotionmaterial. Selbst wenn man vieles an diesem Standard und den
Methoden von Lucasfilm aussetzen kann (einige Normen schränken die
Entscheidungsfreiheit der Toningenieure bei der Filmproduktion ein und
viele Geräte, Lautsprecher usw. entsprechen den von THX vorgesehenen
Qualitätsanforderungen, bleiben aber ohne THX-Zertifikat), haben die
Aktivitäten von George Lucas und Tomlinson Holman doch für die notwendige
Auseinandersetzung mit der Gestaltung des Filmtons und der Qualität von
Tonspurproduktion und -wiedergabe bei den Filmproduzenten und
Kinobetreibern gesorgt.
Neue und zukünftige Technologien
Da die Arbeit mit dem
8-Kanal-SDDS-Verfahren gezeigt hat, dass sich bei der Rezeption die
zusätzlichen zwei Kanäle kaum bemerkbar machen, sondern vielmehr eher eine
weitere Option und Herausforderung für die Sounddesigner sind, werden die
Soundsysteme in dieser Hinsicht wohl kaum weiter ausgebaut werden. Die
fünf verschiedenen SDDS-Kanäle im Frontbereich sind eigentlich nur bei
sehr großen Leinwänden notwendig, weil dort - durch den großen Abstand der
Lautsprecher - der Ton zwischen Center und Front (links/rechts)
auseinanderfällt bzw. sich der Raumeindruck verschiebt.
Für das DTS-System gibt es inzwischen eine Erweiterung für einen über
Synchronimpulse gesteuerten Effektkanal (z.B. für Licht- oder
Bewegungseffekte), eine Ergänzung mit Technologien, die es seh- und
hörgeschädigten Zuschauern erleichtern sollen, dem Film zu folgen, ist in
Vorbereitung.
(Stand: Frühjahr 1998)